Deutsch
Der Geist blickte milde auf ihn nieder. Seine sanfte Berührung, obgleich sie leicht und augenblicklich gewesen war, schien der Wahrnehmung des alten Mannes noch immer gegenwärtig. Er war sich eines tausendfachen Duftes bewusst, der in der Luft schwebte, jeder verbunden mit tausend Gedanken, Hoffnungen, Freuden und Sorgen, längst, längst vergessen!
»Ihre Lippe zittert«, sagte der Geist. »Und was ist das auf Ihrer Wange?«
Scrooge murmelte mit einem ungewöhnlichen Stocken in der Stimme, es sei ein Pickel gewesen; und bat den Geist, ihn zu führen, wohin er wolle.
»Sie entsinnen sich des Weges?« fragte der Geist.
»Ihn erinnern!« rief Scrooge voll Inbrunst; »ich könnte ihn mit verbundenen Augen gehen.«
»Seltsam, ihn so viele Jahre vergessen zu haben!« bemerkte der Geist. »Gehen wir weiter.«
Sie gingen die Straße entlang, und Scrooge erkannte jedes Tor, jeden Pfosten und jeden Baum; bis in der Ferne ein kleiner Marktflecken erschien, mit seiner Brücke, seiner Kirche und dem sich windenden Fluss. Nun sah man einige zottige Ponys dahertraben, mit Knaben auf dem Rücken, die anderen Knaben in ländlichen Zweirädern und Karren zuriefen, gefahren von Bauern. Alle diese Buben waren in höchster Fröhlichkeit und schrien einander zu, bis die weiten Felder so voll von heiterer Musik waren, dass die frische Luft zu lachen schien, es zu hören!
»Dies sind nur Schatten des Gewesenen«, sagte der Geist. »Sie haben kein Bewusstsein von uns.«
Die fröhlichen Reisenden kamen näher; und wie sie kamen, kannte Scrooge sie alle und nannte ihre Namen. Warum war er über alle Maßen erfreut, sie zu sehen! Warum glänzte sein kaltes Auge, und warum sprang sein Herz empor, als sie vorübergingen! Warum war er von Freude erfüllt, als er sie einander fröhliche Weihnachten wünschen hörte, da sie an Kreuzwegen und Seitenpfaden für ihre jeweiligen Heime schieden! Was war fröhliche Weihnacht für Scrooge? Hinweg mit fröhlicher Weihnacht! Welchen Nutzen hatte sie ihm je gebracht?
»Die Schule ist nicht ganz verlassen«, sagte der Geist. »Ein einsames Kind, von seinen Freunden vernachlässigt, ist noch dort gelassen.«
Scrooge sagte, er wisse es. Und er schluchzte.
Sie verließen die Landstraße durch einen wohlbekannten Pfad und näherten sich bald einem Herrenhaus aus mattem rotem Backstein, mit einem kleinen, von einer Wetterfahne gekrönten Türmchen auf dem Dach und einer darin hängenden Glocke. Es war ein großes Haus, aber eines mit zerrüttetem Vermögen; denn die geräumigen Wirtschaftsräume wurden wenig genutzt, ihre Wände waren feucht und moosig, ihre Fenster zerbrochen und ihre Tore verfallen. Hühner gackerten und stolzierten in den Ställen; und die Kutschenhäuser und Schuppen waren von Gras überwuchert. Auch bewahrte es sein einstiges Wesen innen nicht besser; denn als sie die düstere Halle betraten und durch die offenen Türen vieler Zimmer blickten, fanden sie sie ärmlich möbliert, kalt und weitläufig. Es lag ein erdiger Hauch in der Luft, eine frostige Kahlheit an dem Ort, die sich auf seltsame Weise mit zu vielem Aufstehen beim Kerzenlicht und zu wenig Essen verband.
Sie gingen, der Geist und Scrooge, über die Halle zu einer Tür am rückwärtigen Teil des Hauses. Sie öffnete sich vor ihnen und enthüllte einen langen, kahlen, melancholischen Raum, der durch Reihen schlichter Kiefernbänke und Pulten noch kahler wirkte. An einem davon saß ein einsamer Knabe und las bei einem schwachen Feuer; und Scrooge setzte sich auf eine Bank und weinte, da er sein armes, vergessenes Selbst sah, wie es einst gewesen war.
Nicht ein verborgenes Echo im Hause, nicht ein Quieken und Scharren der Mäuse hinter der Täfelung, nicht ein Tropfen aus der halb aufgetauten Regenrinne im trüben Hof dahinter, nicht ein Seufzer unter den blattlosen Zweigen einer verzagtigen Pappel, nicht das müßige Schwingen einer leeren Speichertür, nein, nicht ein Knistern im Feuer, das nicht auf Scrooges Herz mit erweichendem Einfluss gefallen wäre und seinen Tränen freieren Lauf gelassen hätte.
Der Geist berührte ihn am Arm und wies auf sein jüngeres Selbst, das vertieft in seine Lektüre war. Plötzlich stand ein Mann in fremdländischer Kleidung: wunderbar wirklich und deutlich anzusehen: draußen vor dem Fenster, mit einer Axt im Gürtel und einen mit Holz beladenen Esel am Zügel führend.
»Aber, das ist Ali Baba!« rief Scrooge in Entzücken. »Es ist der liebe, ehrliche Ali Baba! Ja, ja, ich weiß! Einst zu Weihnachten, als jener einsame Knabe hier ganz allein gelassen war, da kam er, zum ersten Mal, genau so. Armer Junge! Und Valentine«, sagte Scrooge, »und sein wilder Bruder Orson; dort gehen sie! Und wie heißt jener, der in seinen Beinkleidern schlafend am Tor von Damaskus abgesetzt wurde; sehen Sie ihn nicht! Und der Stallknecht des Sultans, von den Genien auf den Kopf gestellt; dort ist er auf dem Kopf! Geschieht ihm recht. Ich freue mich. Was ging es ihn an, mit der Prinzessin verheiratet zu sein!«
Zu hören, wie Scrooge all den Ernst seiner Natur an solche Stoffe verschwendete, in einer höchst seltsamen Stimme zwischen Lachen und Weinen; und sein gehobenes, erregtes Gesicht zu sehen; wäre seinen Geschäftsfreunden in der Stadt in der Tat eine Überraschung gewesen.
»Da ist der Papagei!« rief Scrooge. »Grüner Leib und gelber Schwanz, mit etwas wie einem Kopfsalat, das aus seinem Kopf wächst; da ist er! Armer Robin Crusoe, nannte er ihn, als er nach dem Umsegeln der Insel wieder heimkam. ›Armer Robin Crusoe, wo bist du gewesen, Robin Crusoe?‹ Der Mann glaubte, er träume, aber er träumte nicht. Es war der Papagei, wissen Sie. Dort geht Freitag, der um sein Leben zum kleinen Bach läuft! Halloh! Hupp! Halloh!«
Dann sagte er, mit einer Raschheit des Wechsels, die seinem gewöhnlichen Wesen sehr fremd war, aus Mitleid mit seinem früheren Ich: »Armer Junge!« und weinte abermals.
»Ich wünschte«, murmelte Scrooge, steckte die Hand in die Tasche und sah sich um, nachdem er sich mit dem Ärmel die Augen getrocknet hatte: »aber es ist nun zu spät.«
»Was ist denn?« fragte der Geist.
»Nichts«, sagte Scrooge. »Nichts. Es sang gestern Abend ein Knabe ein Weihnachtslied an meiner Tür. Ich hätte ihm gern etwas gegeben: das ist alles.«
Der Geist lächelte nachdenklich und winkte mit der Hand, indem er sagte: »Sehen wir ein anderes Weihnachten!«
Scrooges früheres Selbst wurde bei den Worten größer, und das Zimmer wurde ein wenig dunkler und schmutziger. Die Täfelung schrumpfte, die Fenster sprangen; Stücke von Gips fielen von der Decke, und die nackten Latten kamen zum Vorschein; doch wie all dies bewirkt wurde, wusste Scrooge nicht mehr als Sie. Er wusste nur, dass es ganz richtig war; dass alles so geschehen war; dass er dort war, abermals allein, als alle anderen Buben für die frohen Feiertage heimgegangen waren.
Er las nun nicht, sondern ging verzweifelt auf und ab. Scrooge blickte auf den Geist und schüttelte mit traurigem Kopfschütteln ängstlich zur Tür hin.
Sie öffnete sich; und ein kleines Mädchen, viel jünger als der Knabe, kam hereingeschossen, warf die Arme um seinen Hals, küsste ihn oft und nannte ihn ihren »lieben, lieben Bruder«.
»Ich komme, dich heimzuholen, lieber Bruder!« sagte das Kind, klatschte in seine winzigen Hände und beugte sich lachend nieder. »Dich heimzuholen, heim, heim!«
»Heim, kleine Fan?« erwiderte der Knabe.
»Ja!« sagte das Kind, übervoll von Frohsinn. »Heim, für immer und ganz. Heim, für ewig und ewig. Vater ist so viel gütiger als früher, dass das Heim wie der Himmel ist! Er sprach eines lieben Abends, als ich zu Bett gehen wollte, so sanft zu mir, dass ich nicht bangte, ihn abermals zu fragen, ob du heimkommen dürftest; und er sagte Ja, du solltest; und schickte mich in einer Kutsche, dich zu holen. Und du sollst ein Mann werden!« sagte das Kind und riss die Augen auf, »und nie wieder hierherkommen; aber zuerst sind wir den ganzen Weihnachtsfest über beisammen und haben die fröhlichste Zeit in aller Welt.«
»Du bist ganz ein Frauenzimmer, kleine Fan!« rief der Knabe.
Sie klatschte in die Hände und lachte und versuchte, seinen Kopf zu berühren; aber weil sie zu klein war, lachte sie wieder und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu umarmen. Dann begann sie, ihn in kindlicher Ungeduld zur Tür zu ziehen; und er, nicht abgeneigt zu gehen, begleitete sie.
Eine furchtbare Stimme in der Halle rief: »Bringt Master Scrooges Kiste herunter, dort!« und in der Halle erschien der Schulmeister selbst, der auf Master Scrooge mit ferochenischer Herablassung starrte und ihn in einen schrecklichen Gemütszustand versetzte, indem er ihm die Hand schüttelte. Hierauf geleitete er ihn und seine Schwester in das ächteste alte, schaudernde beste Empfangszimmer, das je gesehen ward, wo die Karten an der Wand und die Himmels- und Erdgloben in den Fenstern vom Frost wächsern aussahen. Hier brachte er eine Karaffe von seltsam leichtem Wein und einen Block von seltsam schwerem Kuchen hervor und reichte den jungen Leuten von diesen Leckerbissen dar; zugleich sandte er einen dürftigen Diener hinaus, dem Postknecht ein Glas »etwas« anzubieten, der erwiderte, er danke dem Herrn, aber wenn es dasselbe Fass sei wie das, das er zuvor gekostet, möge er lieber nicht. Da Master Scrooges Koffer nun oben auf die Chaise gebunden war, nahmen die Kinder vom Schulmeister willig Abschied; und stiegen ein und fuhren fröhlich den Gartenweg hinunter: die schnellen Räder schleuderten den Reif und Schnee von den dunklen Blättern der Immergrünen wie Gischt.
»Immer ein zartes Geschöpf, das ein Hauch hätte welken können«, sagte der Geist. »Aber sie hatte ein großes Herz!«
»Das hatte sie«, rief Scrooge. »Sie haben recht. Ich will es nicht leugnen, Geist. Gott bewahre!«
»Sie starb als Frau«, sagte der Geist, »und hatte, wie ich denke, Kinder.«
»Ein Kind«, erwiderte Scrooge.
»Wahr«, sagte der Geist. »Ihr Neffe!«
Scrooge schien unruhigen Sinnes; und antwortete kurz: »Ja.«
Obgleich sie die Schule eben erst hinter sich gelassen hatten, befanden sie sich nun in den belebten Straßen einer Stadt, wo schattenhafte Passanten vorüber und wieder vorübergingen; wo schattenhafte Karren und Kutschen um den Weg stritten, und all das Streiten und Getümmel einer wirklichen Stadt herrschte. Es zeigte sich deutlich genug am Schmuck der Läden, dass auch hier wieder Weihnachtszeit war; aber es war Abend, und die Straßen waren erleuchtet.
Der Geist hielt an einer bestimmten Lagerhaustür und fragte Scrooge, ob er sie kenne.
»Kennen!« sagte Scrooge. »Bin ich hier nicht in die Lehre gegangen!«
Sie traten ein. Beim Anblick eines alten Herrn mit einer perückischen Walisischen Perücke, der hinter einem so hohen Pult saß, dass er, wäre er zwei Zoll größer gewesen, mit dem Kopf an die Decke geschlagen hätte, rief Scrooge in großer Erregung:
»Aber, das ist alter Fezziwig! Segne sein Herz; es ist Fezziwig lebendig wieder!«
Alter Fezziwig legte die Feder nieder und blickte auf die Uhr, die auf die siebte Stunde wies. Er rieb sich die Hände; ordnete seine weite Weste; lachte über den ganzen Leib, von den Schuhen bis zum Organ des Wohlwollens; und rief mit bequemer, öliger, reicher, fetter, jovialer Stimme:
»Jo ho, dort! Ebenezer! Dick!«
Scrooges früheres Selbst, nun ein junger Mann geworden, kam flink herein, begleitet von seinem Mitlehrling.
»Dick Wilkins, gewiss!« sagte Scrooge zum Geist. »Mich segne, ja. Da ist er. Er hing sehr an mir, tat Dick. Armer Dick! Lieb, lieb!«
»Jo ho, meine Burschen!« sagte Fezziwig. »Heute Nacht keine Arbeit mehr. Heiligabend, Dick. Weihnachten, Ebenezer! Lasst die Läden hoch«, rief alter Fezziwig mit scharfem Händeklatschen, »eh ein Mann Jack Robinson sagen kann!«
Man würde nicht glauben, wie diese zwei Burschen darangingen! Sie stürmten mit den Läden auf die Straße – eins, zwei, drei – hatten sie an Ort und Stelle – vier, fünf, sechs – verriegelt und festgesteckt – sieben, acht, neun – und waren zurück, eh man bis zwölf gekommen wäre, schnaubend wie Rennpferde.
»Hilli-ho!« rief alter Fezziwig, von dem hohen Pult mit wunderbarer Behendigkeit herabhüpfend. »Räumt weg, meine Burschen, und lasst uns hier viel Platz! Hilli-ho, Dick! Zwitscher, Ebenezer!«
Weg damit! Es gab nichts, das sie nicht weggeräumt hätten, oder nicht hätten wegräumen können, unter alten Fezziwigs Augen. Es war in einer Minute getan. Alles Bewegliche war verpackt, als wäre es für immer aus dem öffentlichen Leben entlassen; der Boden wurde gekehrt und gewässert, die Lampen geputzt, Brennmaterial aufs Feuer gehäuft; und das Lagerhaus war ein so behaglicher, warmer, trockener und heller Ballsaal, wie man ihn an einer Winterabend sehen möchte.
Herein kam ein Geiger mit einem Notenbuch, stieg zum hohen Pult und machte ein Orchester daraus, und stimmte wie fünfzig Magenkrämpfe. Herein kam Mrs. Fezziwig, ein gewaltiges, substanzielle Lächeln. Herein kamen die drei Miss Fezziwig, strahlend und liebenswert. Herein kamen die sechs jungen Verehrer, deren Herzen sie brachen. Herein kamen all die jungen Männer und Frauen, die im Geschäft beschäftigt waren. Herein kam das Hausmädchen mit ihrem Vetter, dem Bäcker. Herein kam die Köchin mit dem besonderen Freund ihres Bruders, dem Milchmann. Herein kam der Bube von gegenüber, von dem man vermutete, er bekomme nicht genug von seinem Herrn; er versuchte, sich hinter dem Mädchen von nebenan zu verstecken, von dem erwiesen war, dass ihr die Herrin an den Ohren gezogen hatte. Herein kamen sie alle, einer nach dem andern; some schüchtern, some kühn, some anmutig, some unbeholfen, some drängend, some ziehend; herein kamen sie alle, wie es kam und wie es ging. Fort gingen sie alle, zwanzig Paare auf einmal; Hände halb herum und zurück den andern Weg; die Mitte hinab und wieder herauf; rund und rund in verschiedenen Stufen zärtlicher Gruppierung; das alte Paar oben tauchte immer am falschen Platz auf; neues Paar oben brach wieder auf, sobald es dort war; zuletzt alle Paare oben und nicht ein unteres, das ihnen halfe! Als dieses Ergebnis erreicht war, klatschte alter Fezziwig in die Hände, um den Tanz zu stoppen, rief: »Gut gemacht!« und der Geiger tauchte sein heißes Gesicht in einen Krug Porter, eigens zu diesem Zweck bereitgestellt. Aber den Ruhe verschmähend, begann er bei seinem Wiedererscheinen sogleich wieder, obgleich noch keine Tänzer da waren, als wäre der andere Geiger auf einem Laden heimgetragen worden, erschöpft, und er ein brandneuer Mann, entschlossen, ihn aus dem Feld zu schlagen oder zugrunde zu gehen.
Es gab mehr Tänze, und es gab Pfänder, und mehr Tänze, und es gab Kuchen, und es gab Neguss, und es gab ein großes Stück kalten Braten, und es gab ein großes Stück kaltes Gesottenes, und es gab Mince-Pies, und reichlich Bier. Aber die große Wirkung des Abends kam nach dem Braten und Gesottenen, als der Geiger (ein listiger Hund, merk dir's! Einer von der Sorte, die ihr Handwerk besser verstand als du oder ich ihm hätten sagen können!) »Sir Roger de Coverley« anstimmte. Da trat alter Fezziwig heraus, um mit Mrs. Fezziwig zu tanzen. Auch das obere Paar; mit einem ordentlichen Stück steifer Arbeit für sie zugeschnitten; drei- oder vierundzwanzig Paar Partner; Leute, mit denen nicht zu scherzen war; Leute, die tanzen würden und keine Ahnung vom Gehen hatten.
Aber wenn sie doppelt so viele gewesen wären – ach, viermal – alter Fezziwig wäre ihnen gewachsen gewesen, und Mrs. Fezziwig ebenso. Was sie betraf, so war sie in jedem Sinne des Wortes würdig, seine Partnerin zu sein. Wenn das kein hohes Lob ist, sag mir ein höheres, und ich will es brauchen. Ein geradezu lichtes Scheinen schien aus Fezziwigs Waden zu gehen. Sie leuchteten in jedem Teil des Tanzes wie Monde. Man hätte zu keiner gegebenen Zeit vorhersagen können, was aus ihnen als Nächstes würde. Und als alter Fezziwig und Mrs. Fezziwig den ganzen Tanz durch waren; vor und zurück, beide Hände zum Partner, Verbeugung und Knicks, Korkzieher, fädle die Nadel, und wieder an euren Platz; Fezziwig »schnitt« – schnitt so gewandt, dass er mit den Beinen zu zwinkern schien, und kam ohne Schwanken wieder auf die Füße.
Als die Uhr elf schlug, löste sich dieser häusliche Ball auf. Mr. und Mrs. Fezziwig nahmen ihre Plätze, einer auf jeder Seite der Tür, und schüttelten jedem Einzelnen die Hand, wie er oder sie hinausging, und wünschten ihm oder ihr ein fröhliches Weihnachten. Als alle bis auf die zwei Lehrlinge sich zurückgezogen hatten, taten sie dasselbe mit ihnen; und so starben die fröhlichen Stimmen dahin, und die Burschen waren ihren Betten überlassen; die sich unter einem Ladentisch im Hinterraum befanden.
Während der ganzen Zeit hatte Scrooge wie ein Mann außer sich gehandelt. Sein Herz und seine Seele waren in der Szene und bei seinem früheren Ich. Er bestätigte alles, erinnerte sich an alles, genoss alles und litt die seltsamste Erregung. Erst jetzt, als die hellen Gesichter seines früheren Ichs und von Dick von ihnen abgewandt waren, erinnerte er sich des Geistes und wurde gewahr, dass dieser voll auf ihn blickte, während das Licht auf seinem Haupt sehr klar brannte.
»Eine kleine Sache«, sagte der Geist, »um diese törichten Leute so voll Dankbarkeit zu machen.«
»Klein!« echote Scrooge.
Der Geist winkte ihm, den zwei Lehrlingen zu lauschen, die ihr Herz in Lob auf Fezziwig ausgossen: und als er es getan, sagte er,
»Nun! Ist es nicht so? Er hat nur ein paar Pfund von eurem sterblichen Geld ausgegeben: drei oder vier vielleicht. Ist das so viel, dass er dieses Lob verdient?«
»Es ist nicht das«, sagte Scrooge, erhitzt durch die Bemerkung und unbewusst wie sein früheres, nicht wie sein späteres Ich sprechend. »Es ist nicht das, Geist. Er hat die Macht, uns glücklich oder unglücklich zu machen; unseren Dienst leicht oder lastend zu machen; zur Freude oder zur Mühsal. Sagen Sie, seine Macht liege in Worten und Blicken; in Dingen so gering und unbedeutend, dass es unmöglich ist, sie zu addieren und zusammenzuzählen: was dann? Das Glück, das er gibt, ist ganz so groß, als kostete es ein Vermögen.«
Er fühlte des Geistes Blick und hielt inne.
»Was ist denn?« fragte der Geist.
»Nichts Besonderes«, sagte Scrooge.
»Etwas, denke ich?« beharrte der Geist.
»Nein«, sagte Scrooge, »Nein. Ich möchte imstande sein, meinem Schreiber jetzt ein Wort oder zwei zu sagen. Das ist alles.«
Sein früheres Ich drehte die Lampen herunter, wie er den Wunsch aussprach; und Scrooge und der Geist standen abermals Seite an Seite in der freien Luft.
»Meine Zeit wird kurz«, bemerkte der Geist. »Schnell!«
Dies war nicht an Scrooge gerichtet, noch an irgendjemanden, den er sehen konnte, aber es bewirkte eine unmittelbare Wirkung. Denn abermals sah Scrooge sich selbst. Er war nun älter; ein Mann in den besten Jahren. Sein Gesicht hatte nicht die harten und starren Linien späterer Jahre; aber es hatte begonnen, die Zeichen von Sorge und Geiz zu tragen. Es war eine begierige, gierige, rastlose Bewegung im Auge, die die Leidenschaft zeigte, die Wurzel gefasst hatte, und wo der Schatten des wachsenden Baumes fallen würde.
Er war nicht allein, sondern saß neben einem hübschen jungen Mädchen in Trauerkleidung: in deren Augen Tränen waren, die im Licht funkelten, das aus dem Geist der vergangenen Weihnacht schien.
»Es macht wenig aus«, sagte sie sanft. »Für Sie, sehr wenig. Ein anderes Idol hat mich verdrängt; und wenn es Sie in der Zeit, die kommt, trösten und erfreuen kann, wie ich es versucht hätte, habe ich keinen gerechten Grund zu trauern.«
»Welches Idol hat Sie verdrängt?« versetzte er.
»Ein goldenes.«
»Das ist das unparteiische Walten der Welt!« sagte er. »Es gibt nichts, woran sie so hart ist wie an Armut; und nichts, das sie vorgibt mit solcher Strenge zu verdammen wie die Verfolgung von Reichtum!«
»Sie fürchten die Welt zu sehr«, antwortete sie gelinde. »Alle Ihre anderen Hoffnungen sind in die Hoffnung eingegangen, über die Möglichkeit ihres gemeinen Tadels erhaben zu sein. Ich habe Ihre edleren Bestrebungen eines nach dem andern fallen sehen, bis die Herrleidenschaft, Gewinn, Sie verschlingt. Habe ich nicht?«
»Was dann?« entgegnete er. »Selbst wenn ich so viel weiser geworden bin, was dann? Ich bin Ihnen gegenüber nicht verändert.«
Sie schüttelte den Kopf.
»Bin ich es?«
»Unser Vertrag ist ein alter. Er wurde geschlossen, als wir beide arm waren und zufrieden, es zu sein, bis wir in guter Zeit unser weltliches Glück durch geduldige Arbeit mehren könnten. Sie sind verändert. Als er geschlossen ward, waren Sie ein anderer Mann.«
»Ich war ein Knabe«, sagte er ungeduldig.
»Ihr eigenes Gefühl sagt Ihnen, dass Sie nicht das waren, was Sie sind«, erwiderte sie. »Ich bin es. Was Glück verhieß, als wir einig im Herzen waren, ist voll Elend nun, da wir zwei sind. Wie oft und wie schmerzlich ich daran gedacht habe, will ich nicht sagen. Es genügt, dass ich daran gedacht habe, und Sie entlassen kann.«
»Hab ich je Entlassung gesucht?«
»In Worten. Nein. Nie.«
»Worin dann?«
»In einer veränderten Natur; in einem gewandelten Geist; in einer anderen Atmosphäre des Lebens; einer anderen Hoffnung als seinem großen Ziel. In allem, das meine Liebe in Ihren Augen wert oder wertvoll machte. Wenn dies nie zwischen uns gewesen wäre«, sagte das Mädchen, ihn milde, aber fest anblickend; »sagen Sie mir, würden Sie mich aufsuchen und mich zu gewinnen suchen, jetzt? Ach, nein!«
Er schien dieser Annahme gerecht zu werden, wider seinen Willen. Aber er sagte mit einem Ringen: »Sie denken nicht.«
»Ich würde gern anders denken, könnte ich es«, antwortete sie, »Gott weiß es! Wenn ich eine Wahrheit wie diese gelernt habe, weiß ich, wie stark und unwiderstehlich sie sein muss. Aber wären Sie heute, morgen, gestern frei, könnte selbst ich glauben, dass Sie ein mittelloses Mädchen wählen würden – Sie, der Sie in Ihrem vertrauten Umgang mit ihr alles nach Gewinn abwiegt: oder, sie wählend, wenn Sie einen Augenblick falsch genug gegen Ihren einen leitenden Grundsatz wären, es zu tun, weiß ich dann nicht, dass Ihre Reue und Ihr Bedauern sicher folgen würden? Ich tue es; und ich entlasse Sie. Mit vollem Herzen, für die Liebe zu dem, der Sie einst waren.«
Er wollte sprechen; aber mit abgewandtem Haupt fuhr sie fort.
»Sie mögen – die Erinnerung an das Vergangene lässt mich halb hoffen, Sie werden es – Schmerz in diesem haben. Eine sehr, sehr kurze Zeit, und Sie werden die Erinnerung daran gern verwerfen, als einen unnützen Traum, aus dem es gut war, dass Sie erwachten. Mögen Sie glücklich sein in dem Leben, das Sie gewählt haben!«
Sie ließ ihn, und sie schieden.
»Geist!« sagte Scrooge, »zeig mir nicht mehr! Bring mich heim. Warum ergötzest du dich, mich zu martern?«
»Noch ein Schatten!« rief der Geist.
»Nicht mehr!« rief Scrooge. »Nicht mehr. Ich will es nicht sehen. Zeig mir nicht mehr!«
Aber der unerbittliche Geist hielt ihn mit beiden Armen fest und zwang ihn, zu beobachten, was als Nächstes geschah.