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MR. MARVELS BESUCH IN IPING
Nachdem sich der erste böige Schrecken verbraucht hatte, wurde Iping streitlustig. Der Skeptizismus reckte plötzlich das Haupt – ein ziemlich nervöser Skeptizismus, der sich keineswegs seiner Rückendeckung sicher war, aber dennoch Skeptizismus. Es ist so viel leichter, nicht an einen unsichtbaren Mann zu glauben; und jene, die ihn tatsächlich in Luft aufgelöst gesehen oder die Kraft seines Armes gespürt hatten, ließen sich an den Fingern beider Hände abzählen. Und von diesen Zeugen fehlte Mr. Wadgers gegenwärtig, da er sich unüberwindlich hinter die Riegel und Schlösser seines eigenen Hauses zurückgezogen hatte, und Jaffers lag bewusstlos in der Gaststube des „Coach and Horses“. Große und seltsame Vorstellungen, die die Erfahrung überstiegen, haben oft geringere Wirkung auf Männer und Frauen als kleinere, greifbare Erwägungen. Iping war heiter geschmückt mit Wimpeln, und jedermann war in Festtagskleidung. Der Pfingstmontag war seit einem Monat oder länger erwartet worden. Am Nachmittag begannen selbst jene, die an das Unsichtbare glaubten, ihre kleinen Vergnügungen versuchsweise wiederaufzunehmen, in der Annahme, er sei gänzlich fortgegangen, und bei den Skeptikern war er bereits ein Gespött. Doch waren die Leute, Skeptiker wie Gläubige, an jenem Tage bemerkenswert gesellig.
Haysmans Wiese war heiter mit einem Zelt geschmückt, in welchem Mrs. Bunting und andere Damen Tee bereiteten, während draußen die Sonntagsschulkinder unter der lärmenden Anleitung des Pfarrers und der Misses Cuss und Sackbut Wettläufe veranstalteten und spielten. Zweifellos lag eine leichte Unruhe in der Luft, doch verbargen die meisten Leute mit Verstand, was immer für imaginäre Beklemmungen sie empfanden. Auf der Dorfwiese erfreute sich ein schräges starkes [Seil?], an dem man, während man einen an einer Rolle hängenden Griff umklammerte, heftig gegen einen Sack am anderen Ende geschleudert werden konnte, beträchtlicher Beliebtheit bei den Heranwachsenden, ebenso wie die Schaukeln und die Kokosnuss-Würfe. Es gab auch Spaziergänge, und die Dampforgel eines kleinen Karussells erfüllte die Luft mit einem stechenden Ölgeruch und ebenso stechender Musik. Mitglieder des Klubs, die am Morgen die Kirche besucht hatten, prunkten mit Abzeichen in Rosa und Grün, und einige der heiteren Gemüter hatten auch ihre Bowlerhüte mit leuchtend bunten Schleifenbändern geschmückt. Old Fletcher, dessen Vorstellungen von Feiertagsvergnügen streng waren, war durch das Jasmin an seinem Fenster oder durch die offene Tür (je nachdem, wie man blicken wollte) sichtbar, zart auf einem Brett balancierend, das auf zwei Stühlen ruhte, und die Decke seines Vorderzimmers weißte.
Gegen vier Uhr betrat ein Fremder das Dorf von der Seite der Hügel her. Er war eine kurze, stämmige Person in einem außerordentlich schäbigen Zylinderhut, und er schien sehr außer Atem zu sein. Seine Wangen waren abwechselnd schlaff und fest aufgeblasen. Sein fleckiges Gesicht war besorgt, und er bewegte sich mit einer Art widerwilliger Behendigkeit. Er bog um die Ecke der Kirche und lenkte seine Schritte zum „Coach and Horses“. Unter anderen erinnert sich Old Fletcher, ihn gesehen zu haben, und in der Tat war der alte Herr von seiner eigentümlichen Erregung so beeindruckt, dass er unabsichtlich eine Menge Weißzeug den Pinsel hinab in den Ärmel seines Rocks laufen ließ, während er ihn betrachtete.
Dieser Fremde schien dem Wahrnehmungsvermögen des Besitzers des Kokosnuss-Wurfs mit sich selbst zu sprechen, und Mr. Huxter bemerkte dasselbe. Er hielt am Fuß der Stufen des „Coach and Horses“ an, und nach Mr. Huxters Aussage schien er einen schweren inneren Kampf durchzustehen, ehe er sich überwinden konnte, das Haus zu betreten. Schließlich marschierte er die Stufen hinauf, und Mr. Huxter sah ihn nach links drehen und die Tür der Gaststube öffnen. Mr. Huxter hörte Stimmen aus dem Zimmer und aus der Bar, die den Mann auf seinen Irrtum aufmerksam machten. „Jenes Zimmer ist privat!“ sagte Hall, und der Fremde schloss die Tür ungeschickt und ging in die Bar.
Im Verlauf weniger Minuten erschien er wieder, wischte sich die Lippen mit dem Handrücken in einer Haltung ruhiger Zufriedenheit, die Mr. Huxter irgendwie als geheuchelt erschien. Er stand einen Moment lang und blickte um sich, dann sah Mr. Huxter ihn in einer seltsam verstohlenen Weise auf die Tore des Hofes zugehen, auf welchen das Gaststubenfenster hinausging. Der Fremde lehnte sich nach einigem Zögern gegen einen der Torpfosten, zog eine kurze Tonpfeife hervor und bereitete sich an, sie zu stopfen. Seine Finger zitterten dabei. Er zündete sie ungeschickt an und begann, die Arme verschränkend, in einer lässigen Haltung zu rauchen, einer Haltung, die seine gelegentlichen Blicke den Hof hinauf gänzlich Lügen straften.
All dies sah Mr. Huxter über die Blechdosen des Tabaksfensters hinweg, und die Seltsamkeit des Betragens des Mannes veranlasste ihn, seine Beobachtung aufrechtzuerhalten.
Bald darauf stand der Fremde abrupt auf und steckte seine Pfeife in die Tasche. Dann verschwand er in den Hof. Sogleich sprang Mr. Huxter, in der Meinung, er sei Zeuge eines kleinen Diebstahls, hinter seinem Tresen hervor und lief auf die Straße, um den Dieb abzufangen. Wie er dies tat, erschien Mr. Marvel wieder, den Hut schief, ein großes Bündel in einem blauen Tischtuch in der einen Hand, und drei zusammengebundene Bücher – wie sich später erwies, mit den Hosenträgern des Vikars – in der anderen. Sobald er Huxter sah, stieß er einen gewissen Keuchlaut aus und begann, scharf nach links drehend, zu laufen. „Halt, Dieb!“ rief Huxter und setzte ihm nach. Mr. Huxters Empfindungen waren lebhaft, aber kurz. Er sah den Mann dicht vor sich und rüstig in Richtung der Kirchenecke und der Hügelstraße spurten. Er sah die Dorfflaggen und Festlichkeiten jenseits und ein Gesicht oder zwei, die sich ihm zuwandten. Er brüllte abermals: „Halt!“ Kaum hatte er zehn Schritte getan, da wurde sein Schienbein auf geheimnisvolle Weise gefasst, und er rannte nicht länger, sondern flog mit unvorstellbarer Schnelligkeit durch die Luft. Er sah den Boden plötzlich dicht vor seinem Gesicht. Die Welt schien in eine Million wirbelnder Lichtpünktchen zu spritzen, und was danach geschah, interessierte ihn nicht mehr.